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Inklusion entwickeln

http://www.montag-stiftungen.de/?id=3150

Kommunaler Index für Inklusion – Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen

Dokumentation eines Vorgängerprojektes

Inklusionsprojekt Wiener Neudorf
Grafik: Mag. Dr. Maria-Luise Braunsteiner, Pädagogische Hochschule NÖ

Anlass und Ziel des Projektes

Neben der Arbeit mit dem Index für Inklusion in Bildungseinrichtungen unterstützt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft seit 2009 mit dem Kommunalen Index für Inklusion auch Mitarbeiter/innen in kommunalen Verwaltungen sowie freien und gemeinnützigen Organisationen, Verbänden, Vereinen, Verwaltungen und Kirchen darin, inklusives Handeln in ihren Aufgabenfeldern umzusetzen und somit Inklusion im Lebens- und Arbeitsumfelder bewusst zu leben.

Das Ziel des Projektes Kommunaler Index für Inklusion – Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen lag darin, Inklusion als Leitbild für werteorientiertes Denken und Handeln in Einrichtungen und Organisationen auf kommunaler und regionaler Ebene zu stärken und Veränderungsprozesse zu initiieren.

Aktivitäten innerhalb des Projektes

Die Inklusion aller Einwohner/innen im kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Geflecht des Gemeinwesens findet in erster Linie vor Ort, also in den Kommunen statt. Die Partizipation und Kooperation von Einrichtungen, Organisationen und Akteur/innen bei der Gestaltung des Zusammenlebens im Sozialraum ist ein zentrales Element unserer demokratischen Gesellschaft.

Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit der Stiftung mit den Einrichtungen in den Pilotkommunen lag in dem Projekt in der Prozessberatung durch Moderator/innen, welche die Akteur/innen in den Organisationen vor Ort bei der Entwicklung inklusiver Vorhaben sowie bei der konkreten Arbeit mit dem Arbeitsbuch Kommunaler Index für Inklusion begleiteten. Ein besonderes Augenmerk lag hierbei in der Ausweitung und Förderung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen.

Auf der Grundlage der Erfahrungen aus der Arbeit mit den Pilotkommunen veröffentlichte die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das Handbuch Inklusion vor Ort. Der Kommunale Index für Inklusion – ein Praxishandbuch. Das Handbuch soll neben den Pilotkommunen nun auch anderen Kommunen als wertschätzendes, Mut machendes Selbstentwicklungs- und Selbstevaluationsinstrument dienen, um sich mit drängenden Themen insbesondere im Hinblick auf die Chancengerechtigkeit aller zu beschäftigen und Inklusion vor Ort zu leben.

Die Erfahrungen in den Pilotkommunen zeigen, dass die Arbeit mit dem Index reichhaltige neue Anstöße gibt, Veränderungsprozesse unter dem Leitgedanken Inklusion zu initiieren und weiter zu entwickeln. Gerade auch durch die Vernetzung von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen mit anderen Einrichtungen (z.B. Sportvereinen, Elterninitiativen) und öffentlichen Stellen, wie beispielsweise Jugendamt oder Schulamt vor Ort, gewinnen diese Prozesse an Dynamik.

Kommunaler Index für Inklusion

weiterentwickelter Deutscher Index für Inklusion

Schulischer Index für Inklusion

RAssismus – Hinweise und Hilfen

http://isdonline.de/schau-hin-oder-funf-eindeutige-hinweise-dafur-dass-rassismus-thema-an-ihrer-schule-ist/

„Schau Hin!“ oder: Fünf eindeutige Hinweise dafür, dass Rassismus Thema an Ihrer Schule ist.

Folgender Artikel der ISD Aktivistin Sharon Dodua Otoo erschien im Newsletter des Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V. nach Abschluss einer Veranstaltung zum Thema

1. Die Schulmaterialien, die in Ihrem Unterricht verwendet werden, zeigen kaum Schwarze Personen.

„Alle Personen in meinen Schulmaterialien sind weiß und deutsch. Alle! Die einzige Ausnahme kommt in meinem Mathebuch vor, in dem Teil wo es um Bruchrechnungen geht – und er ist Italiener und schneidet Pizza!“ [i]

Überprüfen Sie die Bücher, die in der Schule verwendet werden. Wenn Schwarze Menschen in Lehrmaterialien überhaupt vorkommen, werden sie als „Ausländer“ oder „Afrikaner“ markiert? Sind die abgebildeten deutschen Personen ausschließlich „weiß“?

Top Tipp: Setzen sie sich mit dem Verein Each One Teach One (EOTO) e.V. in Kontakt. EOTO ist ein Schwarzes Literaturund Medienarchiv. Workshops für Kinder, Jugendliche und (pädagögische) Multiplikator_innen zum Thema Schwarze Geschichte, Literatur und Wissen werden angeboten.

Webseite: www.eoto-archiv.de

2. Das Afrikabild in Ihrer Schule ist einseitig und von Armut, Rückständigkeit und Leid geprägt.

„Ja, bei uns ist es so, wenn wir im Gesellschaftsunterricht über arme Länder sprechen, heißt es sofort: Afrika! Dann ist Afrika immer das erste Gesprächsthema. Und wenn wir dann ein Buch aufschlagen, haben wir auch dieses Bild mit diesen Kindern gesehen, dann … dann entweder gucken sie mich an oder fragen ob ich solche Leute kenne. Und das finde ich irgendwie ziemlich absurd und dumm, weil es in Afrika andere Seiten gibt, nicht nur so was!“ [ii]

Wie oft kommen Themen wie die Geschichte vom Königreich der Ashanti, oder die Anti-Apartheid-Bewegung Südafrikas, oder die Biografie von Ellen Johnson Sirleaf, die erste ins Amt gewählte Präsidentin Afrikas? Vielleicht bedienen Sie in ihrem Unterricht stattdessen eher Klischees, die die Würde von Kindern der afrikanischen Diaspora verletzen?

Top Tipp: Laden Sie Joliba – Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V. zu ihrer Schule ein. Joliba hat jahrelange Erfahrung in afrozentrischer pädagogischer Jugendarbeit und kann Sie dazu beraten, wie sie ein differenziertes Bild von Afrika in Ihre Schule bringen.

Webseite: www.joliba-online.de

3. Schwarze (deutsche) Geschichte wird im Unterricht kaum thematisiert.

„In der Schule haben wir nichts über Schwarze Geschichte gelernt…“ [iii]

Wussten Sie, dass Schwarze Menschen auf deutschem Boden gelebt haben, lange bevor die deutsche Nation überhaupt gegründet worden ist? Dass Brandenburg eine führende Rolle im Handel von versklavten Afrikaner_innen gespielt hat? Dass auch Schwarze Menschen in Nazi-Deutschland verfolgt, interniert und ermordet wurden?

Top Tipp: Buchen Sie die Ausstellung „Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart“ von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) e.V. und organisieren Sie ein Projekt, bei dem es ausdrücklich darum geht, mehr über diese Perspektive auf Deutschlands Geschichte zu lernen.

Webseite: www.homestory-deutschland.de

4. Rassistische Begriffe und Inhalte werden im Unterricht reproduziert.

„…Wenn Lehrende rassistische Inhalte unkritisch einsetzen, tradieren sie „rassistisches Wissen“ … welches von den Schüler/inne/n dann reproduziert wird…“ [iv]

Wissen Sie, welche Wörter rassistisch sind? Und dass Sie rassistisch sind, auch wenn Sie dies nicht so gemeint haben? Wenn rassistische Begriffe im Unterricht fallen, wird diese Tatsache klar benannt?

Top Tipp: Besuchen sie die Webseite vom Verein der braune mob e.V. Deutschlands erste Schwarze Media Watch Organisation ist gegründet worden, um eine diskriminierungsfreie deutsche Medienöffentlichkeit anzustreben und bietet u.a. Informationen und Definitionen rund um das Thema Vorurteil und Diskriminierung in Sprache.

Webseite: www.derbraunemob.de

5. Das Wort „Rassismus“ ist tabuisiert.

…Ein [Schwarzer] Grundschüler wird von seinen MitschülerInnen immer wieder … beleidigt, in Streitereien beziehen sich Beschimpfungen bei ihm immer auf seine Hautfarbe… Als die Mutter eines Tages selber hört, wie ein Mitschüler zu ihrem Sohn ruft, »Hau doch ab! Geh dahin, wo Menschen mit so einer dreckigen Hautfarbe wie du herkommen!« und sieht, dass LehrerInnen dies mitbekommen, aber nichts unternehmen, spricht sie das Problem an. Zunächst bei der Klassenlehrerin, dann bei den Eltern der MitschülerInnen, dann bei der Schulleitung. Das führt jedoch dazu, dass nicht die rassistischen Beleidigungen als Problem gesehen werden, sondern die Mutter selbst. In einem Elternbrief wird beispielsweise formuliert: »Wir sind übereingekommen, dass neunjährige Kinder keine rassistischen Einstellungen haben und ihre Äußerungen gegenüber anderen daher nicht als rassistisch bezeichnet werden können.«…“ [v]

Gibt es an Ihrer Schule eine Rassismus-Definition? Sind sie der Meinung, es könne an Ihrer Schule gar keinen Rassismus geben? Wird der Vorwurf rassistisch gehandelt zu haben, als eine viel ernstzunehmendere Grenzverletzung behandelt, als der rassistische Vorfall an sich?

Top Tipp: Organisieren Sie ein Training für die Lehrkraft bei Phoenix e.V. Der Verein setzt sich für eine Kultur der Verständigung ein und bietet sowohl Trainings gegen Alltagsrassismus, als auch Empowerment-Trainings an.

Webseite: www.phoenix-ev.org

Nachtrag: Ein Appell an Eltern.

„…Meine Schwester hat mit 13 Jahren die Schule gewechselt, als wir … umgezogen sind. Es ist ja dann oft so, dass es ein Abschiedsbuch gibt, in welches die ganze Schulklasse tolle Anekdoten von Klassenreisen, Gedichte etc. reinschreibt. Ein Junge hat auf seiner Seite eine ekelhafte, rassistische Karikatur meiner Schwester reingezeichnet, samt zerfetztem Tribaloutfit, Blackface Lippen, Riesen Knochen im Haar und Knochen durch die Nase. Neben dem Bild verarschend ihr Igbo Name (zu dieser Zeit schämten wir uns noch für unsere Igbo Zweitnamen, da unwertiger als Lena oder Sophie). Da meine Eltern unfähig waren, es aufzuarbeiten, wurde es verdrängt…es war halt nur ein „dummer Jungenscherz“Über ein Jahrzehnt später packt mich, als nicht direkt Betroffene manchmal noch immer die blanke Wut, wenn ich daran zurückdenke. Dass meine Eltern den Verdrängungsweg gegangen sind, aber gleichzeitig in der Luft lag, dass etwas ganz Übles passiert ist, hat die Sache für mich als damals 9 jähriges Geschwisterkind traumatisiert. Ich habe mich jahrelang nicht getraut, das anzusprechen und meine Gefühle zu äußern, da Tabu. Perfiderweise hat mir das auch das Gefühl gegeben, dass „DIE“ irgendwie Recht haben mit ihrer Abwertung und ihrer Zuordnung und man sich lieber kleinhält. Weil man dazugehören will. So denken sensible Kinder eben, wenn man ihnen nicht die Zusammenhänge erklärt. Es ist so wichtig, dass Eltern sich für ihre Kinder stark machen, man vergisst so was nicht und selbst ganz kleine tragen ihren Schaden davon…“ [vi]

Der Name dieses Artikels ist angelehnt an die Twitter- und Facebookkampagne #SchauHin initiiert von Kübra Gümüsay (Anm. Red. und Jamie Schearer und Sabine Mohamed) um Erfahrungen von Alltagsrassismus in Deutschland für den Mainstream sichtbar zu machen. Vielen Dank an Dirk Ludwig für seine sehr hilfreichen Kommentare.

Quellen

[i] Persönliches Gespräch mit meinem Sohn, D. (2008)

[ii] „Rassismus in deutschen Schulbüchern am Beispiel von Afrikabildern“ von Elina Marmer (letzter Zugriff 12.01.14)

[iii] Ausstellungskatalog „Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart“ S.147

[iv]  „Rassismus in deutschen Schulbüchern am Beispiel von Afrikabildern“ von Elina Marmer (letzter Zugriff 12.01.14)

[v] Netzwerk Rassismus an Schulen (NeRaS) (letzer Zugriff 12.01.14)

[vi] Persönliche Email von J. (2013), (Unterstrich wurde von Autorin des Artikels eingefügt)

Schwimmen ohne naß zu werden – Inklusion ohne Schüler ?

https://www.gl-bonn.de/aktuelles/neuigkeiten/125-kommentar-zum-artikel-%E2%80%9Elinke-und-spd-scheitern-mit-antrag-inklusions-debatte-um-gymnasien%E2%80%9C-%C3%BCber-den-schulausschuss-vom-6-5-2015

Warum gibt es in Bonn keine Inklusion an Gymnasien- also einem Drittel der SCHulen? ?

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Jetzt forderte die Linksfraktion in ihrem Antrag auf Verpflichtung von drei Gymnasien, genau diese Umsetzung ein – und wurde von der Koalition glatt abgebügelt. Was für ein Armutszeugnis! Es traut sich niemand hier in Bonn, ein Gymnasium zur Inklusion wirklich aktiv zu bewegen? Das kann doch nicht wahr sein! Wie lange wollen die Gymnasien das Recht auf inklusive Bildung noch aussitzen? Abgesehen von den zwei oder drei wenigen, die bereits Kinder in Einzelintegration beschulen, wollen bislang alle weiteren lieber einfach so tun als gäbe es unsere Kinder nicht?
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Als besonderer Hohn erscheint es in diesem Zusammenhang, dass die Schulaufsicht sogar die Gesamtschulen mit noch mehr und noch mehr Kindern mit Behinderungen bedenken will, auch die Zahl 18 Kinder für eine sechszügige Gesamtschule soll ganz offenbar noch immer nicht das Ende der Fahnenstange sein. All dieses Bemühen, nur um die Gymnasien weiterhin außen vor lassen zu können? Und dass dabei die jetzt schon über ihre Grenzen gehenden Gesamtschulen mit Qualität dann kaum mehr aufwarten können. Die bisher gelebten und gut funktionierenden Zusammensetzungen der Klassen können dann so nicht mehr dargestellt werden, das wurde im sog. „Brandbrief“ der Schulpflegschaften der Bonner Gesamtschulen sehr deutlich dargestellt.(…)

Unter denen haben vor allem die Bonner Gymnasien bisher wenig Erfahrung mit dem Gemeinsamen Lernen. Und das macht Dirk Prinz ist sauer. Er sieht eine auffallende Zurückhaltung der Gymnasien, den gesetzlichen Auftrag zur Inklusion wahrzunehmen.

„In allen 19 Bonner Gymnasien sind im laufenden fünften Schuljahr von über 1900 Schülern ganze zwei Kinder mit Förderbedarf aufgenommen worden. Das bedeutet ein Verhältnis von 0,01 Prozent“, rechnet der Vorsitzende des Lehrerrates der Gesamtschule Beuel vor. Dagegen hätten die fünf Bonner Gesamtschulen, abgesehen von den Kindern in den Förderschulen, über die Hälfte aller Förderkinder integriert.

Schulen in Bonn: Inklusion ist Neuland für Gymnasien | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Inklusion-ist-Neuland-fuer-Gymnasien-article1279141.html#plx381254558

Eltern mit Kindern werden zu Bittstellern degradiert- es geht tatsächlich um ein Menschenrecht!

„Wir hatten keine Chance“, sagte seine Mutter. Denn die Familie wohnt in Bonn-Nord. Die Beueler Grundschule besuchte das Kind, weil sie barrierefrei ist. Von daher lag es nahe, dass Johannes auf die IGS wechseln wollte. Stattdessen habe die Schulaufsicht das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium angeboten, so Bethke.

Das EMA sei für Johannes jedoch baulich völlig ungeeignet. „Mich treibt am meisten auf die Palme, dass wir an der Gesamtschule nicht wie die Familien mit Regelkindern am Losverfahren teilnehmen durften“, sagte Bethke. Für Ingrid Gerber ist das gesonderte Anmeldeverfahren, das für die Eltern auch nicht transparent genug kommuniziert worden sei, erneut eine klare Benachteiligung von Familien mit Kindern mit Förderbedarf.

„Es hat sich leider auch in den Jahren seit Ratifizierung der UN-Konvention nicht wirklich gravierend verändert, dass diese Eltern als Bittsteller von Schule zu Schule tingeln und immer wieder Ablehnungen erhalten“, sagte sie. An der für diese Familien begehrtesten Schulform, der Gesamtschule, mussten der Schulverwaltung zufolge 51 Kinder mit Förderbedarf abgelehnt werden. Grund: An den fünf Bonner Gesamtschulen stehen insgesamt nur 56 Plätze in den Inklusionsklassen zur Verfügung.

Der kleine Johannes (9) ist körperbehindert. Weil er keinen Platz in einer inklusiven Klasse an der Beuel Gesamtschule bekommen hat, demonstriert er mit anderen im Stadthaus vor Beginn der Schulausschuss-Sitzung.                Foto: Barbara Frommann

Den abgewiesenen Kindern hat die Schulaufsicht einen Platz an einer anderen weiterführenden Schule in Wohnortnähe versprochen, wie etwa im Fall einer Familie mit einem lernbehinderten Kind, die namentlich nicht genannt werden will. Sie wohnt zwar in der Nähe der IGS, erhielt dort aber auch keinen Platz für den Sohn. Daraufhin, so der Vater, habe die Schulaufsicht die Anne-Frank-Hauptschule empfohlen. „Aber die Schule bildet keine Eingangsklassen mehr“, sagte er.

Ein Versehen, erfuhr er später, er solle seinen Elfjährigen an der Beueler Realschule anmelden. Doch der Vater pocht auf den Gesamtschulplatz. Notfalls wolle er klagen, sagte er. Ein Dilemma, wie Schuldezernentin Angelika Wahrheit einräumte. „Wir befinden uns auf Pioniergebiet“, sagte sie und kritisierte, das Gesetz sei mit „heißer Nadel gestrickt“. Schulrat Andreas Paul versicherte, für alle Familien werde eine Lösung gefunden. Dahinter setzen Bethke und ihre Mitstreiter allerdings ein großes Fragezeichen.(Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/ am 21.5.2015)

Die Gemeinsame Erklärung der Gesamtschulen Bonn :

http://www.ssp-bonn.de/dateien/uploads/inklusion_geht_alle_an.pdf

Die Erklärung des FEG-Gymnasiums in Bonn: http://www.feg-bonn.de/inklusion.html

Die Stimme der  Stadtschulpflegschaft:

„(…) unsere Umfrage bei Bonner Schülereltern“, antwortet auf GA-Anfrage Ulrich Meier, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft. 105 Eltern mit Kindern ohne Förderbedarf sowie 50 Eltern mit Förderkindern hätten kritisiert, dass in Bonn die Gesamt- und Grundschulklassen für Inklusion viel zu groß seien und wichtige pädagogische Doppelbesetzungen abgebaut würden. „Dabei werden immer mehr Kinder, auch Flüchtlingskinder auf unsere Schulen zukommen“, warnt Meier. Das Argument des Landes, die demografische Wende werde die Lage entschärfen, ziehe in Bonn also nicht. „Es fehlen also zuerst einmal Räume, um die Klassenfrequenz zu verkleinern. Bonn muss sich überlegen, wie es Gelder vernünftig einsetzt.“

Überforderte Lehrer und zu große Klassen: Inklusion: Bonner Eltern sind unzufrieden | GA-Bonn – Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/bonn-zentrum/Inklusion-Bonner-Eltern-sind-unzufrieden-article1636946.html#plx1801824033

Stadt Bonn will im Schulbereich sparen

Von allen Verantwortlichen in Bonn. Oberbürgermeister Nimpsch, Verwaltung und Parteien wird betont, dass Bildung eine hohe Priorität hat.
Diese Aussagen legen den Schluss nahe, dass der Schulbereich von den Sparmaßnahmen ausgeschlossen wird.

Das Gegenteil ist leider der Fall.  Die Verwaltung hat eine umfangreiche Liste von Kürzungen oder Streichung von Leistungen sowie Streckung von Investitionen im Bereich Schule vorgelegt.  Insgesamt sollen im Schulbereich 1.3 Mio Euro (2015) sowie
1.65 Mio Euro (2016) eingespart werden.
Die Stadtschulpflegschaft hat aus diesem Grund eine Stellunganahme and den OB Nimptsch und die Fraktionen im Bonner Stadtrat übergeben.
Download Stellungnahme der Stadtschulpflegschaft Bonn

Insbesondere die Kürzung der Zuschüsse für OGS-Plätze und der damit dann einhergehenden Verkürzung der Betreuungszeiten stand in den letzten Wochen in der Diskussion. Dieser Bereich ist aber nur Teil einer größeren Liste von vorgeschlagenen Sparmaßnahmen.

In der folgenden Tabelle sind die Sparvorschläge der Verwaltung zusammengefasst.
Liste Sparmaßnahmen
Die Liste ist den beiden Schulausschuss-Vorlagen entnommen:
– Haushaltsplan 2015/16 – Schulaussauschuss hier klicken
– Änderungsvorschläge Verwaltung hier klicken

Sparmaßnahmen im Bereich OGS
Insgesamt sollen in dem OGS-Bereich 2015 381.000 Euro und 2016 856.000 Euro eingepart werden.

SOS: Inklusion kein Sparmodell

Hamburg

SOS Inklusion: „Zur Zeit wird das Personal an den Schulen verheizt“

Lehrerkammer Hamburger plädiert für Zwei-Pädagogen-System (Doppeltbesetzung)

Mehr zu: Ausstattung, Bildungsausgaben, Bildungschancen, Hamburg, Inklusion, Schule

07.11.2014 -(red/pm). – Die Lehrerkammer Hamburg warnt aktuell davor, dass ohne erhebliche zusätzliche Arbeitszeit und neue Stellen die Inklusion an Regelschulen scheitern werde, weil SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sonst in Gefahr gerieten, zum lästigen Sand im Getriebe in einem traditionellen Fachunterricht zu werden. Sie schlägt deshalb für Inklusionsklassen die pädagogische Doppelbesetzung (Zwei-Pädagogen-System) vor.

Schon im März 2012 hatte die Lehrerkammer darauf hingewiesen, dass die von der Politik angestrebte und jetzt umgesetzte Form der Inklusion ein Sparmodell ist, und dass es ein Fehler ist, die erfolgreichen Systeme der I/IR-Klassen abzuschaffen. An der Unterfinanzierung werden die Unterrichtsqualität und die Förderqualität leiden.

Dabei fängt die wirkliche Arbeit jetzt erst an.
Für das – auch vom Hamburger Bündnis für schulische Inklusion – angestrebte Ziel der Inklusion in allen Schulformen muss das gesamte Personal an allen Schulen befähigt und wirksam unterstützt werden, damit Inklusion im Schulalltag wirksam umgesetzt werden kann. Lehrkräfte, die bisher allgemeine Erziehungs- und Bildungsarbeit leisteten und deren Ausbildung und Stundendeputat nur dafür ausgelegt waren, müssen in die Lage versetzt werden, zusätzlich selber inklusiven Unterricht zu erteilen. Dies stellt eine nie dagewesene Zäsur im Schulalltag dar.

Ohne erhebliche zusätzliche Arbeitszeit und neue Stellen wird Inklusion an Regelschulen scheitern, weil SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sonst in Gefahr geraten, zum lästigen Sand im Getriebe in einem traditionellen Fachunterricht zu werden. Genau dies aber soll Inklusion vermeiden. Die Lehrerkammer schlägt deshalb noch einmal vor, in Hamburg zu der langjährig hervorragend bewährten Ausstattung der I/IR-Klassen zurückzukommen. Die systemische Ressource sollte sich daher an dem Zwei-Pädagogen-System (Doppeltbesetzung) der I/IR-Klassen orientieren.

Zahlreiche Praxisprobleme müssen an den Schulen schnellstmöglich ausgeräumt werden. Dies betrifft etwa die Probleme beim Ausfall (z. B. Krankheit) einer Lehrkraft und die fehlende Verfügbarkeit qualifizierten Personals. Inklusionstaugliche Bildungspläne fehlen immer noch. Der diagnostische Vorlauf wird von der Behörde nicht ausreichend (durch Arbeitszeitzuweisung) abgesichert. Und oftmals reicht das Raumangebot nicht für pädagogisch sinnvolle Inklusionsmaßnahmen.

Wo bleibt die Unterstützung für die Schulleitungen und FörderkoordinatorInnen, die die Organisation und Struktur der Förderung an ihrer Schule planen müssen? Engagierte Kolleginnen und Kollegen fühlen sich im Alltagsgeschäft allein gelassen. Unter diesen Bedingungen verliert Inklusion an Zuspruch. Die Lehrerkammer appelliert an die Politik und Verwaltung, diese Probleme ernst zu nehmen und wirksame Unterstützung zu organisieren – im Interesse aller SchülerInnen.

Zur Zeit sind an vielen Schulen die KollegInnen massiv überlastet und Fehlentwicklungen werden in ihrer Tragweite unterschätzt oder ignoriert. Die Lehrerkammer fordert die Politik auf, Inklusion endlich zu dem zu machen, was sie sein soll.

pdf: LKSt_141106_SOS_Inklusion

Mehr zur Inklusion in der Stellungnahme der Lehrerkammer vom 23.02.2012: LKSt_120223_Inklusion

http://bildungsklick.de/a/82436/kaum-inklusion-nach-grundschule/

(…)“International wird zu 85 Prozent inklusiv unterrichtet, bei uns sind es nur 20 Prozent“, sagte Klemm. Dabei ist Deutschland mit der seit 2009 geltenden UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, allen behinderten Kindern – auf Wunsch der Eltern – einen gemeinsamen Unterricht in einer Regelschule zu ermöglichen. Davon sei Deutschland aber noch weit entfernt. „In den 50er, 60er Jahren galt es als fortschrittlich, für behinderte Kinder möglichst viele Sonderschulen zu errichten. Seit ein paar Jahren weiß man auch in Deutschland: Das ist eine Sackgasse“, sagte er. Vorbehalte gegen inklusiven Unterricht gebe es vor allem bei den Gymnasien: „Sie haben den Auftrag, Begabte zu fördern. Für den normalen Gymnasiallehrer ist es daher erst mal ein Widerspruch in sich, lernschwierige Kinder aufzunehmen“, sagte der Bildungsforscher. „Bei Eltern nichtbehinderter Schüler gelten die Ängste vor allem dem gemeinsamen Unterricht mit geistig behinderten und emotional-sozial gestörten Kindern.“ All diese Sorgen müsse man ernst nehmen. „Erstaunlich ist aber, dass dort, wo Inklusion gemacht wird, die Vorbehalte verschwinden.“ Und: „Man kann nicht naiv-blauäugig sagen, wir bringen einfach alle Kinder zusammen und alles wird gut. Man muss die pädagogischen Konzepte ändern, Überzeugungsarbeit leisten. Inklusion ist eine wirklich große Aufgabe.“